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Lernkonzept macht Schule

Jugendliche, die freiwillig nach der Schule noch lernen? Auf der Suche nach ungewöhnlichen Lernkonzepten sind wir auf die TUMO-Initiative gestoßen. In den hochmodern ausgestatteten TUMO-Zentren können bundesweit tausende Schüler und Schülerinnen nach der Schule in einer motivierenden Umgebung in kreativen Technologien lernen. Und Spaß haben sie dabei auch noch. Das vielfältige Angebot ist für die Teilnehmenden zudem kostenlos. Grund genug für uns, mit Jana Hentschel-Giesa, Referentin der KfW Bankengruppe zu sprechen. Die KfW hat das bundesweit erste Projekt in Berlin gefördert und die Finanzierung bis Anfang 2025 sichergestellt.

Die TUMO Center werden als Franchise betrieben. Dahinter steckt die Idee, über Lizenzgebühren die eigens entwickelte Infrastruktur zu bezahlen. Jana Hentschel-Giesa berät Unternehmen gerne dazu, wie sie sich hier besser einbringen können. Bildquelle / Lizenz: KfW-Bildarchiv / Thomas Meyer/OSTKREUZ

Frau Hentschel-Giesa, das TUMO Lernkonzept wurde bereits 2011 in Armenien begründet. Seit 2018 expandiert das Projekt international und in 2020 startete das erste Zentrum in Berlin. Seit März 2024 ist auch ein Center in Mannheim eröffnet worden. Was macht die Center so besonders?

TUMO ist ein innovatives Lernkonzept der besonderen Art, das an der Schnittstelle von Technologie und Design liegt. Hier lernen Jugendliche nicht, weil sie müssen, sondern weil sie es wollen. Sie gestalten ihren Entwicklungspfad selbständig und gehen ihn in ihrem eigenen Tempo.

Uns als KfW hat dabei der ganzheitliche Ansatz von TUMO begeistert. TUMO heißt auch Center for creative technology: Die Kinder steigen über kreative Themen, wie Filmmaking oder Zeichnen bei TUMO ein und lernen so das Handwerkszeug für sehr viele Berufsfelder der Zukunft. Insgesamt bietet TUMO 14 Themenfelder an, von denen in Deutschland 10 umgesetzt wurden: das Themenspektrum reicht dabei von Programmieren und Robotik über Musik-Produktion bis hin zu Animation, Fotografie oder Grafik Design. Die Jugendlichen arbeiten sowohl alleine mit einer Software, als auch in Gruppen mit anderen Jugendlichen in Workshops zusammen. Ergänzt wird das Programm durch Learning Labs, bei denen Experten aus der Wirtschaft ein bestimmtes Thema praktisch vertiefen. Unterstützt werden die Jugendlichen in der Selbstlernphase von Coaches und in den Workshops von erfahrenen Workshopleitern.

TUMO gibt Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren dabei die Werkzeuge und das Wissen an die Hand, das sie brauchen, um ihr volles Potential zu entfalten. Die Teilnahme ist kostenlos und ein Einstieg jederzeit möglich. TUMO steht allen Kindern und Jugendlichen offen, egal aus welchen Einkommensverhältnissen sie kommen. Das Thema Chancengleichheit war uns als KfW hier besonders wichtig: wir möchten gerade diejenigen erreichen, die sich eben nicht digitale Bildung leisten können.

Tumo Center sind als Franchise angelegt, also als Unternehmertum. In den Centern lernen junge Menschen digitale Kompetenzen ganz nach ihren Interessen. Welche Rolle spielt die KfW beim Aufbau dieser Zentren?

Mit TUMO sind wir als KfW einen neuen Weg gegangen. Wir waren von dem Konzept so begeistert, dass unser Vorstand einwilligte, ein  Zentrum in Berlin als Leuchtturm-Projekt komplett aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Einen Leuchtturm, der möglichst weit strahlen und somit viele Nachahmer finden soll. Wir begleiten den Roll out von TUMO auch an anderen Standorten in Deutschland.

Wir unterstützen den Prozess der Errichtung eines TUMO-Zentrums, bringen unser Knowhow des Leuchtturms in Berlin mit ein und unterstützen z.B. auch beim Fundraising oder bei der Betreibersuche. Die Finanzierung eines Zentrums sollte dabei mittelfristig – d.h. auf mindestens 5 Jahre – sichergestellt sein.  Finanziell beteiligen wir uns allerdings nicht an weiteren Standorten.

Finanzierungsquellen könnten z.B. Stiftungen sein, ebenso private Mittel, Spenden oder öffentliche Mittel von Bund, Ländern und Kommunen. Z.B. kann die Stadt auch ein Gebäude unentgeltlich zur Verfügung stellen, in dem ein TUMO-Zentrum eingerichtet wird. Zudem bekommen potentielle Interessenten die Vertragsunterlagen von uns als Entwurf. Zu gegebener Zeit steigt TUMO Armenien in das Projekt ein und übernimmt z.B. die setup Phase bis zur Eröffnung des neuen Zentrums und darüber hinaus.

Es ist das langfristige Ziel der KfW, noch mehr Partner zu finden und so eine Weiterentwicklung hin zu einem landesweiten Netzwerk von Lernzentren nach armenischem Vorbild zu etablieren

Nun gibt es in Deutschland zwei Zentren. Müsste der Bedarf nicht eigentlich riesig sein?

Das stimmt. Wir haben enormen Nachholbedarf, was Future Skills anbelangt. Wir brauchen kreative und digital affine Talente in der Wirtschaft, um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Hier gilt es, die vorhandene Fachkräftelücke zu schließen. TUMO stößt als außerschulisches freiwilliges und für die Kids kostenloses Angebot in diese Lücke. Daher freuen wir uns über sehr viel Engagement in Deutschland, das dazu führt, dass im kommenden Jahr mindestens 5 weitere TUMO-Zentren eröffnen werden. Jugendliche in Hirschaid, Lüdenscheid, Saarbrücken, Frankfurt und Köln dürfen sich auf hochmodern ausgestattete TUMO-Zentren freuen.  Es ist das langfristige Ziel der KfW, noch mehr Partner zu finden und so eine Weiterentwicklung hin zu einem landesweiten Netzwerk von Lernzentren nach armenischem Vorbild in Deutschland zu schaffen. Das kommt uns allen zugute.

Können sich Unternehmen engagieren und wenn ja, wie?

Einnahmen werden mit einem TUMO-Zentrum nicht erzielt, da das Angebot kostenlos ist. Kosten entstehen u.a. für das Personal, die Franchisegebühren inklusive der Unterstützung von TUMO Armenien, außerdem die technische Ausstattung sowie ggf. für die Miete eines Zentrums. Es ist daher erklärtes Ziel, dass sich Unternehmen hier engagieren. Für die Verbesserung der außerschulischen digitalen Bildung in Deutschland ist die Investition von privatem Kapital unerlässlich. Ohne das wird es nicht gehen. Durch das Heben von privatem Kapital konnte bereits das Zentrum in Mannheim eröffnet werden. Wer TUMO finanziert, sorgt dafür, dass wöchentlich mehr als 1.000 zukünftige Talente in den Bereichen Digitales und Kreativität gefördert werden. Fachkräfte der Zukunft werden dort ausgebildet, wo sie dringend gebraucht werden. Unternehmen, die sich finanziell engagieren, setzen auf ein internationales Netzwerk globalen Lernens. Nicht zuletzt wird die regionale Attraktivität eines Unternehmens gesteigert, das sich bei TUMO finanziell engagiert. Unternehmen können zudem eigene Mitarbeiter z.B. als Workshopleiter zur Verfügung stellen. Die KfW berät hier gerne zum weiteren Engagement sowie zu allen Fragen rund um das TUMO-Konzept. Gern kann man das TUMO-Zentrum in Berlin oder Mannheim auch einmal besichtigen. 

Social Entrepreneurship

Social Entrepreneurship bezeichnet unternehmerische Aktivitäten, die darauf abzielen, soziale, ökologische oder kulturelle Probleme zu lösen, anstatt ausschließlich auf Gewinnmaximierung abzuzielen. Sozialunternehmer kombinieren innovative Geschäftspraktiken mit einem starken sozialen Auftrag und verfolgen damit das Ziel, sowohl finanzielle als auch gesellschaftliche Werte zu schaffen.

Ein bekanntes Beispiel für Social Entrepreneurship ist die Grameen Bank in Bangladesch, gegründet von Muhammad Yunus, dem zwischenzeitlich der Friedensnobelpreis verliehen wurde aufgrund dieser Leistung. Die Grameen Bank bietet Mikrokredite für arme Menschen an, die keinen Zugang zu traditionellen Bankdienstleistungen haben. Diese Kredite ermöglichen es den Menschen, kleine Unternehmen zu gründen und so ihre Lebenssituation zu verbessern.

Die Idee hinter der Grameen Bank ist es, den Menschen zu helfen, aus der Armut herauszukommen, indem sie Zugang zu finanziellen Mitteln erhalten. Der Erfolg der Bank liegt nicht nur darin, dass sie profitabel arbeitet, sondern vor allem darin, dass sie Millionen von Menschen geholfen hat, ein besseres Leben zu führen. Muhammad Yunus und die Grameen Bank wurden 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, weil sie gezeigt haben, dass soziale und wirtschaftliche Entwicklung Hand in Hand gehen können.


Bildquelle / Lizenz: Mit KI generiert

Bundesweiter Uni-Mensavergleich: In dieser Stadt gibt es die besten Angebote und Preise 

Studierende in Ulm müssen am meisten für ihre Mahlzeiten in Mensen bezahlen. Das hat die Informationsplattform Betrugstest.com ermittelt. Dafür wurden die Speisepläne an deutschen Uni-Mensen von über 150 Städten untersucht. Ergebnis: Vegane sowie vegetarische Speisen sind in den deutschen Uni-Mensen deutlich günstiger als Alternativen mit Fleisch und Fisch. 

Ulm an der Preisspitze

In Ulm kosten die Mahlzeiten mit durchschnittlich 4,69 Euro bundesweit am meisten. Nicht nur Vegetarier und Veganer müssen hier tiefer in die Tasche greifen, auch Fleischliebhaber haben in den Kantinen der schwäbischen Großstadt das Nachsehen. Im Preisranking folgen Aschaffenburg und Marburg, wo durchschnittlich 4,32 bzw. 4,12 Euro fällig werden. Worms und Ludwigshafen nehmen Platz vier und fünf ein. Hier kosten vegetarische und omnivore Gerichte vier Euro. Im gleichen Preissektor finden sich die Mensen in Landau und Germersheim wieder.

Im Ranking der kostengünstigsten Mahlzeiten führt eine Stadt aus dem Westmünsterland: In Bocholt werden gerade einmal 73 Cent fällig. Hier bekommen Studierende bereits zum Tiefpreis von 60 Cent eine ganze Pastaportion. Die Geldbeutel der Studierenden in Offenbach bleiben ebenfalls beinahe unberührt, denn hier belaufen sich die Kosten gerade einmal auf 1,20 Euro. Rüsselsheim und Wiesbaden reihen sich ebenfalls bei 1,20 Euro ein. 

Veganes Essen schont den Geldbeutel der Studierenden

Beim Preisvergleich lässt sich schnell erkennen, dass vegane Speisen in deutschen Uni-Kantinen besonders günstig ausfallen. Der Kostendurchschnitt liegt hier bei 2,60 Euro, wobei Ulm mehr als doppelt so viel für die pflanzliche Alternative verlangt (4,95 Euro). Der Durchschnittspreis bei vegetarischen Gerichten liegt bei 2,80 Euro, wobei in den Mensen von Lemgo der Höchstpreis von 4,70 Euro zu finden ist. Fisch- und Fleischgerichte kosten die Studierende deutschlandweit 3,32 bzw. 3,35 Euro. Lippstadt verlangt jedoch für Fisch mit 5,60 Euro am meisten und Ulm reiht sich erneut mit einem Rekord von 4,85 Euro für Fleisch ein. 

Veganes Angebot an deutschen Unis am höchsten

Das größte Angebot an Mahlzeiten ist bei über 5.000 untersuchten Gerichten die vegane Abteilung. Von den insgesamt 1.904 veganen Speisen bieten Hamburger Kantinen deutschlandweit das größte Angebot an (113). Ebenfalls hoch im Kurs sind Fleischgerichte, die besonders häufig in Dresdner Kantinen angeboten werden (70). Vegetarische Speisen sind am dritthäufigsten in den Speiseplänen von deutschen Unis zu finden, wobei München hier mit 59 Gerichten Vorreiter ist. Das Fischangebot fällt im Ranking am schwächsten aus. Von bundesweit 349 Fischmenüs können Studierende in Berlin am häufigsten daraus einen Nutzen ziehen (18). 

Alle Ergebnisse des Vergleichs findet Ihr hier


Bildquelle / Lizenz: Foto von Toa Heftiba auf Unsplash

Der Mittelstand: Vielschichtig und attraktiv

Chancen und Besonderheiten mittelständischer Arbeitgeber: Warum ist besonders der Mittelstand ein Top-Arbeitgeber? Das haben wir Silke Masurat gefragt. Sie leitet das ZEAG (Zentrum für Arbeitgeberattraktivität) und vergibt jedes Jahr das Top Job-Siegel. Wer also, wenn nicht Silke, weiß, was der Mittelstand der Generation Z bieten kann?

Liebe Silke, welche fünf Faktoren lassen den Mittelstand zum Herzensarbeitgeber erwachsen?

Silke Masurat zeigt, dass die GenZ auch im Mittelstand hervorragende Perspektiven hat.

Da ist zum einen eine stark werteorientierte und häufig familiäre Unternehmenskultur, die Menschen Sicherheit schenkt. Ferner ermöglichen kurze Entscheidungswege Selbstbestimmung und Wirksamkeit. Ein hohes Maß an Eigenverantwortung eröffnet chancenreiche wie vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Außerdem liegt dem Mittelstand Work-Life-Balance sowie Familienorientierung im Blut. Tief verankert ist auch der Nachhaltigkeitsgedanke – mittelständische Firmen bieten Greenwashing die Stirn.

Was würdest du jungen Menschen mitgeben, die sich nach dem Studium für einen Berufseinstieg in einem mittelständischen Unternehmen entscheiden – oder die einen Arbeitgeberwechsel von Konzern zu KMU anstreben? Worauf müssen sich diese Personen einstellen und gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die Young Professionals den Einstieg erleichtern?  

Hohe Lernbereitschaft und die Fähigkeit zur Selbstentwicklung markieren wichtige Eigenschaften, die Berufseinsteiger:innen mitbringen sollten. Denn im Mittelstand sind die Strukturen für Weiterbildung im Vergleich zu Großunternehmen oft weniger stark ausgeprägt. Eigenverantwortung und -initiative gehören genauso dazu wie unternehmerisches Denken, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Treibt Young Professionals die Motivation an, über den Tellerrand zu schauen, begünstigt das eine Karriere im Mittelstand.

Je größer ein Unternehmen, desto schwieriger gestaltet sich häufig ein Kurswechsel. Wie ist der Mittelstand in puncto Digitalisierung und New Work aufgestellt? Inwiefern muss diese Frage von Branche zu Branche unterschiedlich beantwortet werden?

Hinsichtlich Digitalisierung stehen mittelständische Unternehmen im Schatten der Konzerne. In der Regel können sie nicht mit den gleichen Kompetenzen und Ressourcen aufwarten wie Großunternehmen. Für Digital Natives bedeutet das eine Chance, Digitalisierungsprojekte inhouse zu übernehmen und maßgeblich mitzugestalten.

Flexibler und agiler als Konzerne, schneiden KMU hinsichtlich neuer Arbeitsmodelle und -methoden oft besser ab. Weit mehr als ein Viertel der Mittelständler sind mit Blick auf innovative Arbeitsformen bereits vorbildlich aufgestellt. Dennoch fehlt vielen Betrieben zum Durchbruch Stand heute die passende New Work-Kultur als Rahmen. Dieser Befund gilt meines Erachtens jedoch auch für Großunternehmen. Sowohl Digitalisierung als auch New Work entwickeln sich in den verschiedenen Branchen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten – veraltete Glaubenssätze bremsen den Wandel aus. Unternehmen aller Branchen müssen sich mit den aktuellen Strömungen auseinandersetzen und sich an Vorreiterbranchen wie dem IT-Sektor orientieren.

An vielen Stellen schimpfen Unternehmer:innen der Boomer-Generation auf die junge Arbeitnehmergeneration, von „geringer Arbeitsmotivation“ und „Null-Commitment“ ist gar die Rede. Studien des DIW zeigen jüngst, dass diese Wahrnehmung lediglich Klischees bedient. Wie nimmst du die jungen Menschen wahr und kannst diese Argumente ebenfalls entkräften? Wie blickt der Mittelstand auf die Gen Z?

Das Bild der unzuverlässigen und wenig leistungsorientierten Gen Z hält sich wacker – da bildet auch der Mittelstand keine Ausnahme. Die öffentliche Meinung wirft der jungen Generation Faulheit vor. Doch die neuen Arbeitnehmenden blicken lediglich aus einer anderen Perspektive auf die Welt. Sie brauchen eine Führung, die nicht nach dem Command-and-Control-Prinzip regiert. Sie verlangen mehr Freiheiten, suchen Vertrauen und Sinn in dem, was sie tun. Stimmen Firmen- und Führungskultur mit diesem Wertesystem überein, sind Young Professionals gerne bereit, die Extrameile zu gehen.

Durch Corona und Krisenjahre bedingt, stieg das Sicherheitsbedürfnis der jungen Generation; auch in finanzieller Hinsicht, was einige Unternehmen den Digital Natives fälschlicherweise negativ auslegen. Viele Gen Zs geraten aufgrund der erlebten Krisenerfahrung schnell an ihre (psychische) Belastungsgrenze. Mittelständische Unternehmen können dank ihrer Firmen-DNA auf diese veränderten Bedürfnisse in den meisten Fällen gut reagieren.

Inwieweit erfüllt der Mittelstand schon die Erwartungen der Digital Natives – beispielsweise mit Blick auf das unternehmerische Wertesystem, Prozessteilhabe und innerbetrieblicher Förderung?

Die Gen Z schätzt allem voran New Culture, eine starke Vertrauenskultur, attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und, wie bereits erwähnt, Sicherheit. Auch soziale und ökologische Verantwortung ranken weit oben auf der Prioritätenliste. In allen Punkten, vor allem in den beiden letztgenannten, war und ist der Mittelstand sehr stark. Anders als Konzerne jedoch traten mittelständische Unternehmen damit bisher nie aktiv an die Öffentlichkeit – sie hielten es für eine Selbstverständlichkeit. Heute kommunizieren Mittelständler ihr Engagement als Teil ihrer Marketingstrategie verstärkt nach außen.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung wachsen zusammen

Wenn es nach Herrn Prof. Dr. Gunther Olesch geht, stehen wir erst am Beginn eines Zeitalters, in dem Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammenwachsen und sich gegenseitig beschleunigen. Wenn Generation Y und Z davon in ihrer Karriere partizipieren wollen, sollten sie sich Softskills wie Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit, Flexibilität und Problemlösungskompetenz besonders zu Herzen nehmen. Gerade letztere verlangt eine gewisse Resilienz.

Herr Prof. Dr. Olesch, tatsächlich stehen wir am Beginn des Zeitalters der Nachhaltigkeit in Verbindung mit der digitalen Transformation. Die Transformation wird vermutlich sogar noch an Tempo zulegen, wenn KI in der Produktentwicklung an Fahrt aufnimmt. Wie sind Ihre Gedanken dazu?
Ja, wir stehen definitiv am Beginn des Zeitalters der Nachhaltigkeit in Verbindung mit der digitalen Transformation. Die beiden Trends gehen Hand in Hand und verstärken sich gegenseitig. Durch die Digitalisierung können Prozesse effizienter gestaltet, Ressourcen besser genutzt und Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig ermöglicht die Vernetzung von Geräten und Maschinen eine bessere Überwachung und Steuerung von Produktionsabläufen, was wiederum zu einer nachhaltigeren Produktion führt.


Prof. Dr. Gunter Olesch hat in seiner Karriere Unternehmen im Wachstum von 2.000 auf 20.000 Mitarbeitenden begleitet. Er ruft dazu auf, mit mehr Mut auf die Zukunft zu blicken.

Die digitale Transformation wird vermutlich noch an Tempo zulegen, wenn künstliche Intelligenz in der Produktentwicklung verstärkt an Fahrt aufnimmt. KI kann dabei helfen, Produkte so zu gestalten, dass sie ressourcenschonender hergestellt werden können und gleichzeitig den Bedürfnissen der VerbraucherInnen entsprechen. Durch die Analyse großer Datenmengen kann KI auch dabei unterstützen, nachhaltige Lösungen zu identifizieren und umzusetzen.

Insgesamt bietet die Kombination aus Nachhaltigkeit und digitaler Transformation große Chancen für Unternehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig einen positiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Es ist wichtig, dass Unternehmen diese Trends frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um rechtzeitig von den Vorteilen dieser Entwicklung profitieren zu können.

Wenn man auf die aktuellen Weichenstellungen in den Unternehmen blickt: Ist das schon in der Breite der Unternehmen angekommen?
Um die Herausforderungen der Zukunft wie KI, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel erfolgreich zu meistern, müssen Unternehmen mehr strategisch vorgehen. Es ist sehr wichtig, in die Weiterbildung der Mitarbeitenden zu investieren, um ihre digitalen Kompetenzen zu stärken und sie auf die Veränderungen vorzubereiten. Schulungen und Trainings können dabei helfen, das Wissen und die Fähigkeiten der Belegschaft zu erweitern.

Des Weiteren sollten Unternehmen in innovative Technologien wie KI investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Digitalisierung kann dabei helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine immer größere Rolle in der Unternehmensführung. Unternehmen sollten darauf achten, umweltfreundliche Praktiken zu implementieren und nachhaltige Lösungen in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren. Dies kann nicht nur zur Schonung der Umwelt beitragen, sondern auch das Image des Unternehmens verbessern und neue Kunden gewinnen.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollten Unternehmen attraktive Arbeitsbedingungen bieten und sich als Arbeitgebermarke positionieren. Flexible Arbeitsmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, Nachhaltigkeit und eine offene Unternehmenskultur können dazu beitragen, qualifizierte Mitarbeitende gerade der Generation Y und Z anzuziehen und langfristig an das Unternehmen zu binden.

Was raten Sie insbesondere den jungen Menschen da draußen? Wie können sie sich „aufstellen“, um sich auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubereiten?
Junge Menschen sollten sich auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten, indem sie sich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln. Dazu gehört zum einen eine solide Ausbildung oder ein Studium in einem zukunftsträchtigen Bereich wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz oder Nachhaltigkeit. Aber auch Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit, Flexibilität und Problemlösungskompetenz sind entscheidend. Gerade die Generationen Y und Z sollten sich das zu Herzen nehmen.

Des Weiteren ist lebenslanges Lernen wichtig, um mit den ständigen Veränderungen in der Arbeitswelt Schritt zu halten. Networking spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf die Arbeitswelt der Zukunft. Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen kann dabei helfen, berufliche Chancen zu nutzen und sich über aktuelle Entwicklungen in den Branchen auf dem Laufenden zu halten. Um unseren Wohlfahrtsstaat auch in Zukunft aufrecht zu halten, sollte der Gedanke, Leistung zu erbringen, betont in diesen Generationen stärker werden. Insgesamt ist es wichtig, dass junge Menschen proaktiv sind und Eigeninitiative zeigen. Sie sollten neugierig sein, sich Herausforderungen stellen und bereit sein, aus Fehlern zu lernen. Nur so können sie sich optimal auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten und erfolgreich in ihr Berufsleben starten.

Nachhaltigkeit:Ein Megatrend

Eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Nachhaltigkeit im Büro zu verbessern, ist eine Denkweise, die der Ressourceneffizienz Vorrang einräumt.

Dare to make an impact

Gino Coletti, Manager Employer Reputation & Communications DE/CH bei Henkel, beschreibt, was Enablement mit Nachhaltigkeit zu tun hat.

Wer nicht fragt, verändert nichts

Magnus Hetz berät Unternehmen darin, Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu unternehmen. Unter den Unternehmen gibt es viele Vorreiter, die echte Nachhaltigkeit in ihre Firmenphilosophie aufgenommen haben. Aber die meisten handeln eben „nur nach Vorschrift“. Und es obliegt uns als Verbraucher, auch einfach mal Fragen zu stellen.

CSRD. ESRS. CSR-RUG. NFRD. Kein neuer Song der Fantastischen Vier, sondern Abkürzungen für EU-Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Einordnung der Nachhaltigkeitsaktivitäten von Wirtschaftsakteuren.

Uff! Sind diese ganzen Vorgaben überhaupt nötig? Ist es nicht selbstverständlich, dass Unternehmen nachhaltig, also wert- und substanzerhaltend handeln?

Leider nicht. Erstens lag (liegt) der Unternehmensfokus oft auf Optimierung und Maximierung: schneller wachsen, Gewinn steigern, Konkurrenz abhängen. Zweitens liegt es in der Natur des Menschen, das Bequeme, Bekannte, Profitable zu wählen. Sich durch Regelwerke arbeiten, gut eingespielte Produktionsvorgänge zu ändern, etablierte Produkte und Angebote zu modifizieren oder gar ganz einzustellen – bloß nicht! Kostet Geld, Zeit, Ressourcen. Und was bringt es?


Die prall gefüllte Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt ist nur ein Beispiel dafür, was wir im Winter alles durch die Gegend karren.

Henne-Ei-Problem der Nachhaltigkeits-Umsetzung

Betrachten wir daher die Kundenseite, denn oft wird seitens der Unternehmen argumentiert „wir würden ja nachhaltigere Produkte anbieten, aber es fragt keiner danach!“

Damit macht man es sich zu einfach. Klar, wenn ich im Supermarkt die Wahl zwischen saftigen roten Erdbeeren im Winter und dem langweiligen deutschen Apfel mit braunen Punkten habe, denke ich nicht an Wasserverbrauch und CO2-Bilanz, sondern nur an die leckeren Beeren (mit viel Schlagsahne)! Aber mal abgesehen von Erdbeeren – der überwiegende Teil der Konsumenten legt, wenn befragt, großen Wert auf soziale Gerechtigkeit und eine saubere Natur. Warum ist dann das Konsumverhalten doch oft ein anderes? Der Preis ist ein Argument, der Wunsch nach viel Auswahl und das Sich-Nicht-Einschränken-Wollen. Immer häufiger hört man auch ein evasives „ich würde ja, wenn es mir angeboten würde … aber wie erkenne ich überhaupt, was nachhaltig ist?“ Und damit sind wir wieder bei den anbietenden Unternehmen – das klassische Henne-Ei-Problem.

Von Greenwashing und Brown Spinning – und der Politik

Echte Nachhaltigkeit ist schwer zu erkennen. Zu oft waren die Angaben und Aussagen Green Washing – teils gut gemeint, aber mit wenig Impact (Aufforstungsprojekte, weit weg), teils Ablasshandel, um selbst nichts ändern zu müssen (Kauf von CO2-Zertifikaten statt Einsparung). In der Kommunikation hieß es „wir pflanzen Bäume für besseres Klima“ oder „klimaneutral erzeugt“. Wer sollte den Kunden verdenken, dass sie das toll fanden und zugriffen? Um dann später, auch durch Umweltverbände und Gerichtsurteile aufgeklärt, festzustellen: wir wurden, in manchen Fällen bewusst, hinters Licht geführt. Kein Wunder, dass viele daher ökologischen und soziale Versprechungen nicht mehr trauen.

Andere Unternehmen entscheiden sich gar für Brown Spinning. Sie verkaufen Firmen-Vermögenswerte mit mieser Klimabilanz / hohem Treibhausgas-Ausstoß an Wirtschaftsakteure außerhalb ihres Konzerns. Damit bessern sie die eigene – offenzulegende – Klimabilanz auf. Faktisch werden Produktionsstätten und Firmenteile, z. B. die Förderung fossiler Energien, häufig von Betreibern aus Drittstaaten oder aus dem privaten Sektor übernommen, die vielleicht nicht so gute Ausrüstung haben, keine Offenlegungspflichten, oder sich gar nicht um das Thema Umwelt scheren. Bekanntes Negativbeispiel ist die Übernahme der Ölproduktion im Niger-Delta durch lokale Unternehmen, was globalen Ölkonzernen wie Shell, Exxon Mobil usw. zwar bessere Werte in ihrer CO2-Bilanz brachte, aber Nigeria durch höhere Ölförderung mehr Gasabfackelungen, diverse Ölkatastrophen und damit unter dem Strich der Welt mehr CO2-Emissionen und eine geschädigte Umwelt.

Die Politik ist gefordert: Regeln sollen Klarheit schaffen und mehr nachhaltiges Handeln erzeugen. Damit ergeben die Abkürzungs-Ungetüme vom Anfang auch einen Sinn. Sie sollen Firmen zu mehr Transparenz und wahren Angaben zwingen. Und es dem Kunden leichter machen, die ökologischen und ethischen Auswirkungen seines Konsums zu erkennen.

Nachhaltigkeit senkt Kosten

Passt ein Mobilitätskonzept, das auf Nachhaltigkeits-Kriterien basiert in diese Zeit? Ja, meint Stefan Maier, Geschäftsführer von Prior1. Das Unternehmen baut Rechenzentren mit einer möglichst guten Energiebilanz. Rechenzentren zählen weltweit mittlerweile zu den größten CO2-Emittenten.

Sie sind in der Rechenzentrums-Branche unterwegs. Hier sind Außentermine, wie so oft in der Wirtschaft, gang und gäbe. Warum haben Sie Ihr neues Mobilitätskonzept basierend auf Nachhaltigkeits-Kriterien gestaltet?
Die Mobilität der Prior1 ist unser größter Treibhausemittent. In Zeiten der Erderhitzung sehen wir es als unsere Pflicht, unsere Emissionen so weit zu senken, wie es uns möglich ist. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass wir durch dieses Konzept unsere Reisekosten senken und den Stress der Mitarbeitenden, die das Konzept nutzen, deutlich reduzieren.

Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeitenden damit? Was spiegeln die ersten Zahlen wider?
Die Nutzung und Umsetzung durch die Kolleg:innen fällt sehr unterschiedlich aus. Einige Mitarbeitende sind ganz auf die Bahn umgestiegen, andere nutzen diese, trotz aller Anreizsysteme, weniger. Die Gründe liegen einerseits in der grundsätzlichen Akzeptanz der Bahn als Transportmittel, in der schwierigen Erreichbarkeit ländlicher Regionen mit der Bahn und der Unzufriedenheit mit der Zuverlässigkeit der Bahn. Die Mobilität so grundsätzlich umzustellen, erfordert einen Kulturwandel weg vom Auto. Dieser Wandel vollzieht sich, ist aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Durch den 100%igen Umstieg bei der Beschaffung von Fahrzeugen auf elektrischen Antrieb, werden wir, zumal wir teilweise den Strom selbst produzieren und 100% Ökostrom einsetzen, die Emissionen weiter deutlich senken. Es ist uns jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir auch E-Fahrzeuge als nicht umweltfreundlich ansehen. Somit muss die Verringerung des Individualverkehrs massiv vorangetrieben werden.


„Wir bieten unseren Mitarbeitenden Freiraum für die Entwicklung und erfahren Wertschätzung für unsere Mission“, sagt Stefan Maier, Geschäftsführer von Prior1.

Wie sind die Benefits in Ihrem Unternehmen gestaltet?
Mitarbeitende erhalten erhebliche finanzielle Anreize für den vollen Umstieg auf die Bahn, für teilweise Reise mit der Bahn und die Auswahl kleiner Autos. Mitarbeitende im Außendienst erhalten beispielsweise eine BahnCard 50 der 2. Klasse. Zudem empfinden es die Kolleg:innen, die eine Bahn Card 100 1. KL haben, als Anerkennung, in der ersten Klasse reisen zu können. Zusätzlich gibt es Incentives für Mitarbeitende, die eine bestimmte Anzahl von Bahn-Kilometern im Jahr zurücklegen, wie zum Beispiel eine Prämie von 700 € für 5.000 Bahn-Kilometer. Und natürlich wünschen wir uns, dass jede und jeder den Sinn zum Erhalt der Lebensbedingungen als intrinsischen Antrieb ansieht.

Was bedeutet New Work für Sie und Ihr Unternehmen?
Wir streben unternehmerische Freiheit an. Und zwar durch nachhaltiges und menschliches Wirtschaften, wir legen großen Wert auf Qualität in Umsetzung und Service sowie auf die Gemeinwohl-Ökonomie. Wir respektieren und fördern die individuellen Gedanken, Gefühle und Lebensziele unserer Mitarbeitenden und bieten ihnen Freiraum zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit.
Dazu gehört, dass wir die mentale Gesundheit unserer Mitarbeitenden als einen wichtigen Aspekt von New Work sehen. Die Corona-Pandemie und andere Krisen haben zu einer starken psychischen Belastung geführt, weshalb wir im Februar 2022 die „Initiative für mentale Gesundheit“ ins Leben gerufen haben. Diese Initiative bietet unseren Mitarbeitenden Unterstützung bei psychischen Belastungen durch ein kostenloses Coaching-Programm und ein umfangreiches Informationsangebot im Intranet.
Uns ist es wichtig, dass unsere Mitarbeitenden ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen und einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten können. Arbeiten ohne Begeisterung und Neugierde ist für uns undenkbar. Begeisterung treibt uns zu innovativem Arbeiten an und gewährleistet nachhaltigen unternehmerischen Erfolg. Nachhaltiges Denken ist für uns eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg, sowohl in unserem täglichen Leben als auch in unserer Arbeitsweise.
Obwohl Wachstum kein Unternehmensziel ist, ist das Unternehmen über die Jahre von ursprünglich geplanten 20 auf mittlerweile 86 Mitarbeitende gewachsen. Als Arbeitgeber sind wir sehr attraktiv. Wir brauchen keine Headhunter:innen oder andere Aktivitäten, um gute Talente zu finden. Die Mitarbeitenden finden uns, weil sie unsere Vision gut finden. Die Zufriedenheit ist hoch, da die Mitarbeitenden Sinnhaftigkeit und Eigenwirksamkeit in ihrer Arbeit erfahren.


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