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„Herr der Zahlen“ – dies ist die traditionelle Rolle des Chief Financial Officers (CFO) in Unternehmen.
Seine Abteilung – das Controlling – wacht über Budgets und Ausgaben. Die zunehmende Digitalisierung, die auch diesen Bereich voll erfasst, führt dazu, dass sich die Aufgaben der Finanzabteilung in den Unternehmen drastisch verändern. Dies erfordert in der Folge auch ganz neue Kompetenzen im Controlling, die von beratenden über strategische bis hin zu analytischen Fähigkeiten reichen. CFOs stehen vor der Herausforderung, ihre Abteilungen auch personell so aufzustellen, dass sie für die Anforderungen der Zukunft vorbereitet sind. Board Deutschland, einer der größten Anbieter von Finanzplanungssoftware, diskutiert mit seinen Kunden und Partnern regelmäßig in hochkarätig besetzten virtuellen Roundtables die Herausforderungen und Chancen, die sich für die Finanzabteilung ergeben. Ansgar Eickeler, Area
General Manager für die DACH-Region bei Board Deutschland, fasst die Ideen und Sichtweisen zusammen und zeigt, wo sich CFOs derzeit selbst sehen und welche Ideen den Finanzbereich treiben.

Diversity – ein sehr emotional geführtes Thema in der gesellschaftlichen, aber auch geschäftlichen Diskussion. Dies spiegelte sich auch im aktuellen Roundtable wider, bei der die Diversität speziell in der Finanzorganisation im Mittelpunkt stand. Es wurde schnell deutlich, dass es nicht nur um Geschlechterdiversität geht, sondern – viel wichtiger – um Diversität der Karrieren, Hintergründe, Fähigkeiten und Typen.


Wir können nicht auf weniger Probleme warten, wir müssen neue Mitarbeitende und neue Fähigkeiten finden

Ansgar Eickeler

Ein paar überzeugende Impulsvorträge führten in das Thema ein. Sie machten vor allem deutlich, wie sich die Finanzorganisationen in Zukunft entwickeln müssen und wie Diversität dazu beiträgt, die Herausforderungen der Zukunft besser zu meistern.

Die Hauptaufgabe der Finanzorganisation ist es immer, strategisch dazu beizutragen, das Unternehmensergebnis zu verbessern, Dies gilt in diesen herausfordernden Zeiten noch stärker als sonst. Dabei hilft es, wenn der CFO sich nicht nur als Chief Finance Officer definiert, sondern auch als Chief Future Officer.

Der Finanzbereich muss sich dabei wandeln vom reinen Hüter der Zahlen zum Dienstleister für die anderen Bereiche. Das Erstellen des Zahlenwerks wird zunehmend durch Software automatisiert, was dazu führt, dass traditionelle Aufgaben des Controllings wegfallen. Nicht mehr die Vergangenheitsbetrachtung steht im Fokus, sondern der Blick in die Zukunft. Der CFO muss als anerkannter Sparringspartner und Berater des CEO agieren. Es entstehen neue Rollen in der Finanzorganisation:

  • Business Partner
  • Business Analyst
  • SSC Specialist (SSC = Shared Service Center)

Um diese Rollen auszufüllen ist es wichtig, die Fähigkeiten der bestehenden Mitarbeiter zu erweitern. Diese kennen bereits die Finance-Grundlagen und das Umfeld und können sich für neue Aufgaben weiterqualifizieren. Es müssen aber auch neue Fähigkeiten von extern akquiriert werden, um das breitere Spektrum an Aufgaben abzudecken.

Bei der Betrachtung der Diversität der Fähigkeiten wird häufig das sogenannte DISG-Modell genutzt:

  • DISG – D für Dominant
  • DISG – I für Initiativ
  • DISG – S für Stetig
  • DISG – G für Gewissenhaft

Gerade in der Finanzorganisation lag der Schwerpunkt häufig auf den Bereichen G + S. Hier werden D + I künftig stärker in den Fokus rücken.

Führung als wichtige Kernkompetenz bei Diversität

Es ist unstrittig, dass Diversität auch in der Finanzorganisation das „New Normal“ ist. Auch eine neue Studie von McKinsey belegt den Zusammenhang zwischen Diversität und Geschäftserfolg. Doch ist Diversität kein Selbstläufer. Sie braucht eine andere Führung als homogene Teams, damit sie ihre ganze Kraft entfalten kann.

Wir leben in Zeiten einer gesellschaftlichen Transformation, deren Geschwindigkeit immer mehr zunimmt. Hilft uns Diversität dabei, die Transformation zu gestalten? Ja, da sie mehr Ideen in die Organisation bringt. Aber: Diverse (heterogene) Teams sind nicht per se schneller als homogene Teams. Im Gegenteil! Gerade zu Beginn von Prozessen werden heterogene Teams wahrscheinlich mehr hinterfragen, mehr Annahmen in Frage stellen und die Konsens-Bildung hinauszögern und erschweren. Dies muss eine Organisation oder ein Projekt aushalten und moderieren. Der Lohn dafür ist, dass die Qualität der Prozesse steigt und vielleicht der eine oder andere Prozess gar nicht erst implementiert wird, weil er sich als nicht notwendig herausstellt. Oder wie es ein Teilnehmer ausdrückte: „Schnell kann manchmal „pseudoschnell“ sein: Die schnellen Entscheidungen in homogenen Teams sind nicht immer die besten Entscheidungen.“

Der Kernpunkt für den Erfolg von Diversität liegt tatsächlich in der Fähigkeit, so ein Team zu managen. Es ist bei heterogenen Teams wichtig herauszukitzeln, wer welches Ziel hat, um daraus ein gemeinsames Ziel zu schaffen, hinter dem alle stehen. Dafür braucht es starke Führungsqualitäten!

Eigentlich eine Situation, für die der CFO prädestiniert ist, da er schon immer viele Stakeholder zufriedenstellen und verschiedene Interessen zusammenbringen muss.

Zukunft der Finanzorganisation

Es bleibt spannend zu sehen, wohin die Reise der Finanzorganisation geht. Denn eins ist auch klar: Veränderungen sind kein Selbstzweck. Die Finanzorganisation reagiert auf die Veränderungen in den Unternehmen. Dazu gehören neue Geschäftsmodelle, wie SaaS, die neue Anforderungen an Finance stellen. Es kommt damit ein großer Veränderungsdruck von außen, mit neuen Kennziffern, z. B. aus dem Vertrieb, die die Mitarbeitenden im Finanzbereich  erst kennenlernen und verstehen müssen.

Mit dem Veränderungsdruck steht die Finanzorganisation aber nicht allein im Unternehmen, sondern reiht sich ein in die anderen Bereiche, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Für den CFO ist es wichtig, seine Rolle zu finden. Er muss überlegen, wie er sich aufstellen kann und wie er und sein gesamtes Team den höchsten Mehrwert für das Unternehmen generieren kann.

Am Ende konstatierten die Teilnehmer des (diversen) Roundtables drei wichtige Punkte:

  • Diversität findet in den Köpfen statt und hat nichts mit Technologie zu tun.
  • Technologie befreit von den Standardaufgaben und fungiert als Inkubator.
  • Es ist wichtig für die CFOs, die neuen Rollen in der Finanzorganisation zu fördern und Verantwortung und Führung zu übernehmen.

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Viele Menschen suchen nach Orientierung, denn sie nehmen die Veränderungen in der Arbeitswelt und um sich herum unbewusst wahr. Das gilt für neue Technologien und noch mehr für geopolitsche Umbrüche. Diese Orientierung gilt besonders für Unternehmen. Daher gerät das Thema „Führung“ aktuell zunehmend in den Fokus. Wir haben die Expertin Karin Lausch gefragt, welcher Führungsstil in diese Zeit passt. Und wie Du Dich geschickt verhalten kannst, wenn Deine Führungskraft nicht so agiert, wie Du es Dir wünschst.

Sie beschäftigen sich mit Führung und Führungsstilen. Woher kommt es eigentlich, dass dieses Thema aktuell so stark ist? 
Es sind angespannte Zeiten. Polykrisen, die steigende Komplexität unserer Arbeit und die exponentielle Entwicklung neuer Technologien bewegen uns als Gesellschaft und in unseren Jobs. Gerade jetzt brauchen wir wirksame Führung und gerade jetzt tut es besonders weh, wenn sie fehlt. Der intensive Diskurs zu Führung ist also nicht verwunderlich. Denn genau in solchen Zeiten müssen wir auch infrage stellen, was genau wirksame Führung in Zukunft eigentlich ist, und entwickeln sie weiter. Und das passiert gerade.

Wie kann ich als Berufseinsteiger schnell merken, mit welchem Typus Führung ich es zu tun habe? 
Wichtig ist vor allem zu wissen, dass es einen echten Typus eigentlich nicht gibt. Wenn wir von Führungsstilen sprechen, dann nur, weil wir versuchen das komplexe Verhalten von Menschen in Typologien zu pressen. Wir Menschen lieben es nun mal einfach. Aber Führung ist ein Konstrukt aus ganz unterschiedlichen Stilen und Einflüssen. Es sind verschiedene Zutaten, aus denen das Gericht „Führung“ entsteht, und die Kombination der Zutaten entscheidet darüber, ob es uns schmeckt.
Natürlich gibt es aber Möglichkeiten herauszufinden was der Führungskraft wichtig ist worauf sie wert legt und mit welchen Mitteln sie führt. Bevor wir uns aber als Küchenpsycholog:innen versuchen, empfehle ich dafür lieber ein offenes und direktes Gespräch mit der Führungskraft. Sprecht über eure Zusammenarbeit, eure Wünsche und darüber, wer ihr seid. Nimmt die Führungskraft sich Zeit? Ist sie an dir interessiert und stellt viele Fragen? Hört zu und will dich unterstützen? Dann sind wahrscheinlich Anteile von empathischer und dienender Führung vorhanden. Redet sie aber lieber über sich, äußert hauptsächlich Erwartungen an dich und macht klare Vorgaben? Dann ist sie vielleicht eher zahlengetrieben und hat gerne selbst alles unter Kontrolle. Das könnte ein Hinweis auf direktionale, patriarchalische oder auch transaktionale Führung sein. So lassen sich erste Tendenzen erkennen, die du allerdings auch immer wieder überprüfen solltest, um nicht in die Vourteilsfalle zu geraten.

Wie wichtig ist dabei mein Bauchgefühl?
Ein gutes Bauchgefühl, also deine Intuition ist unheimlich wichtig dabei, wenn es um Menschen geht. Deshalb ist es gut auf das eigene Bauchgefühl zu hören und zu reagieren, wenn du merkst, dass du mit der Art der Führung nicht gut klarkommst. Doch auch das beste Bauchgefühl ist nur dann wirklich etwas wert, wenn wir uns selbst immer wieder gut reflektieren. Wenn dein Bauch also grummelt, dann frage dich, ob das wirklich durch deine Führungskraft kommt, oder ob dir das schon öfter in ähnlichen Situationen passiert ist. Dann kann es mehr mit dir selbst zu tun haben und sich lohnen da mal hinzuschauen.


Karin Lausch ist anerkannte Führungsexpertin und berät Unternehmen seit Jahren, wie sie ihre Führung den Themen der Zeit anpassen können.

Mal angenommen, ich entdecke die Top-Stelle für mich. Alles passt, nur der Umgang mit meinem Chef ist… schwierig. Welche Möglichkeiten habe ich? 
Der erste Schritt ist auch hier erstmal der Dialog mit dir selbst. Warum ist der Umgang schwierig? Was ist es, was dich triggert? Hast du etwas ähnliches schon mal erlebt? Und es hilft auch ein Perspektivwechsel: Was ist das Gute am Verhalten deiner Führungskraft?
Wenn du dann immer noch findest, dass es so nicht geht, dann solltest du das Gespräch mit ihr suchen und offen und ehrlich teilen, was der Umgang in dir auslöst und was du dir wünschen würdest. Wichtig: Teile Ich-Botschaften und verzichte auf Du-Beschuldigungen. Haltet genau fest, was ihr euch vornehmt im Umgang miteinander anders zu machen und setzt euch ein Datum, an dem ihr das nächste Mal darüber sprecht und reflektiert, wie es läuft.

Wir sind in einer Phase, in der viele Transformationen in der Arbeitswelt mehr oder weniger gleichzeitig ablaufen – das Akronym VUCA ist fast zu schwach. Gibt es einen Führungsstil, der in diese Zeit passt?
Die stärkste Kombination für diese Zeit und damit auch die zukunftsfähigste, ist empathische, dienliche und transformationale Führung. Zusammengefasst: New Leadership. Transformational steht dabei für inspirierende, integere und als Vorbild agierende Führung. New Leadership fokussiert sich auf den Menschen, denn wenn es dem Menschen gut geht, wird er auch gute Leistung erbringen.


Unsere Expertin

Karin Lausch ist Leadership-Expertin und Executive Coach. Sie begleitet seit 13 Jahren Führungskräfte in ihrer Entwicklung und zu allen Fragen der Führung. Mit ihrer Arbeit und ihrer Reichweite setzt sich die Keynote Speakerin für New Work, Vertrauen und mehr Menschlichkeit im Arbeitsleben ein und unterstützt Teams in ihrer Entwicklung und Potenzialentfaltung. Am 17. Oktober 2023 erschien ihr Buch: „Trust me. Warum Vertrauen die Zukunft der Arbeit ist“, beim Haufe-Verlag.


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